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Stahlstich (Siderographie)



Wie funktioniert das Verfahren?


Der Stahlstich oder Stahlstichprägedruck gehört zu den grafischen Tiefdruckverfahren und ist als eine der exklusivsten Veredelungsvarianten bekannt. Zunächst wird eine Gravur angefertigt, die während des Druckvorgangs vollflächig mit einer stark pigmentierten Farbe eingefärbt wird. Der Stempel wir zumeist in Handarbeit gefertigt, indem das Motiv seitenverkehrt in einen polierten, enthärteten Stahlblock gestochen oder geätzt wird. Die zu druckenden Elemente liegen dabei vertieft. Anschließend wird die Gravur mit einem Wischpapier an der Oberfläche so abgerakelt, dass die überschüssige Farbe am Wischpapier haften bleibt. Die in den Vertiefungen verbliebene Farbe wird dann mit extremen Druck auf den Bedruckstoff übertragen. Bei der anschließenden Infrarottrocknung bekommt die Farbe einen satten Glanz (Matteffekte lassen sich mit wasserbasierten Farben erzielen).

Was sind die Vorteile des Verfahrens?


Der Stahlstich hat eine lange Tradition und gilt auch heute noch als ausgesprochen edles Druckverfahren. Als Prägedruck unterscheidet er sich von anderen Druck- und Veredelungsvarianten vor allem durch die Erhabenheit der Motive. Diese Eigenschaft verleiht dem Druckprodukt neben einer konturenscharfen Optik auch eine einzigartige reliefartige Haptik. Die Farbgebung ist zumeist sehr pigmentreich und verfügt über eine hohe Deckungskraft. So können auch auf dunkelstem Hintergrund helle Motive klar wiedergeben werden, feine Konturen erstrahlen kontrastreich und farbintensiv. Spezielle Lacke verleihen dem Druckbild noch zusätzliche Tiefe.

Was für Probleme können mit diesem Verfahren verbunden sein?


Da der Stahlstich nicht für jedes Druckmedium gleich gut geeignet ist, bleibt die Materialauswahl ein wenig eingeschränkt. Am besten funktioniert das Verfahren mit herkömmlichen Materialien, deren Oberfläche möglichst aus naturbelassenem Papier oder Karton bestehen sollte. Zudem ist das Verfahren sehr aufwändig, da einige Arbeitsschritte nur von Hand zu erledigen sind. Das erhöht jedoch auch die Exklusivität des Verfahrens.

Für welche Anwendungen ist das Verfahren geeignet?


Historisch gesehen wurde der Stahlstich für sehr aufwändige, diffizile Aufgaben wie den Druck von Banknoten, Briefmarken und Illustrationen verwendet. Am besten eignet sich das Verfahren für exklusive Akzidenzdrucksachen und steht beispielsweise bei Geschäftsausstattungen wie Briefbögen oder Visitenkarten schon seit Jahrzehnten hoch im Kurs. Da das Schriftbild fühlbar auf dem Papier aufliegt, wirken die feinen Linien ausgesprochen edel. Daneben entdecken aber auch zunehmend Agenturkreise den Stahlstich und dessen Potenzial der Dreidimensionalität.

Welche Motive sind geeignet?


Als Vorlage für den Prägestempel dient ein Film oder eine Reinzeichnung. Die Druckfläche, sofern in einem Durchgang gedruckt wird, ist jedoch begrenzt, deswegen sollten großflächige Motive weitestgehend vermieden werden. Kleine, feine Motive sind dagegen hervorragend geeignet. Mithilfe von Rastertechniken oder der Kombination mit anderen Druckverfahren kann der Spielraum ein wenig vergrößert werden.

Redaktionsbeiträge


Stahlstich-Prägedruck: Von Haptik mit Höhen und Tiefen
Stahlstich-Gravuren werden – auch heute noch – in individueller Handarbeit hergestellt. Das hat mit industriell produzierten Druckformen nichts zu tun. Und so ist der Stahlstich-Graveur ein sehr ausgesuchter Spezialist, der neben einem hohen technischen Wissen auch über eine ausgeprägte künstlerische Fähigkeit verfügt. Nur durch eine feine Linienführung und die angepasste Gravurtiefe der Illustration entsteht diese charakteristische Dynamik im Druckbild, die mit keinem anderen Druckverfahren erreicht werden kann.
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